Rett-Syndrom: Omega-3-Präparate verbessern die Herzfunktion
Rett-Syndrom: Omega-3 verbessern die Herzfunktion
Omega-3-Präparate könnten positive Auswirkungen auf die Herzgesundheit von Kindern haben, die am Rett-Syndrom leiden, einer neurologischen Erkrankung, die mit einem erhöhten Risiko des plötzlichen Herztodes verbunden ist. Die Wirkung der Omega-3-Fettsäuren scheint auf ihrer Fähigkeit zu beruhen, oxidativen Stress zu reduzieren.
Das berichtet eine italienische Studie, die am Universitätskrankenhaus Siena durchgeführt und in der Zeitschrift Mediators of Inflammation veröffentlicht wurde.
Der oxidative Status beim Rett-Syndrom
Das Rett-Syndrom ist eine seltene Erkrankung, die vorwiegend Frauen betrifft und eine der schwersten Formen kognitiver Beeinträchtigung darstellt. Betroffene Patientinnen weisen ein etwa 300-mal höheres Risiko für plötzlichen Herztod auf als gesunde Menschen. Frühere Studien hatten bei ihnen eine kardiale Dysfunktion festgestellt, die mit oxidativem Stress verbunden ist, d. h. mit einer Zunahme freier Radikale, sogenannter reaktiver Sauerstoffspezies (ROS), die verschiedene Zellkomponenten schädigen können. Dieselben Studien haben gezeigt, dass Omega-3-Präparate die Spiegel oxidativer Moleküle im Blut bei Patientinnen mit Rett-Syndrom senken können.
Positive Wirkungen des Fischöls
Die Studie umfasste 66 von der Erkrankung betroffene Mädchen mit einem Durchschnittsalter von 12 Jahren. Die Hälfte der Teilnehmerinnen erhielt ein Jahr lang zweimal täglich Fischölpräparate mit den Omega-3-Fettsäuren EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure), während die übrigen keinerlei Supplementierung erhielten. Mittels Echokardiographie wurde die Herzfunktion vor und nach dem Behandlungszeitraum beurteilt. Blutproben, die zu Beginn der Studie sowie nach 6 und 12 Monaten entnommen wurden, wurden auf das Vorhandensein von Signalmolekülen des oxidativen Stresses analysiert, wie z. B. Isoprostane, die durch die Oxidation mehrfach ungesättigter Fettsäuren entstehen. Die Ergebnisse zeigten nach 12 Monaten eine Reduktion dieser Moleküle bei den Patientinnen, die Omega-3-Fettsäuren erhalten hatten. Im Kontrollgruppe waren keine signifikanten Veränderungen erkennbar. Die myokardiale Dysfunktion und der klinische Schweregrad verbesserten sich deutlich bei denjenigen, die die Präparate erhalten hatten, und blieben bei den anderen unverändert. Die Forscher beobachteten bei den Mädchen, die Omega-3-Fettsäuren eingenommen hatten, auch Verbesserungen hinsichtlich Aufmerksamkeit, Atmung, Muskeltonus, Bewegung und Wachstum.
Die Wirkung der Omega-3-Fettsäuren auf den oxidativen Status
Nach Ansicht der Wissenschaftler ist die erhöhte Isoprostan-Konzentration beim Rett-Syndrom nicht nur auf die Oxidation von Fettsäuren durch ROS zurückzuführen, sondern auch auf eine Dysregulation der Omega-3-Zielstrukturen. Diese regulieren die Zusammensetzung der Zellmembranen und die Genexpression, interagieren mit Ionenkanälen und verändern die Synthese von Eicosanoiden. Die Ergebnisse zeigten, dass EPA und DHA, die mit den Präparaten aufgenommen wurden, nicht weiter oxidiert werden und die Isoprostan-Produktion reduziert wird, was den Schweregrad der Erkrankung abschwächt. Insgesamt legen diese Daten nahe, dass oxidativer Stress eine entscheidende Rolle für die kardiale Effizienz beim Rett-Syndrom spielen kann und das Herz durch eine Omega-3-Supplementierung zumindest teilweise geschützt werden kann.
Quelle: Silvia Maffei, Claudio De Felice, Pierpaolo Cannarile, Silvia Leoncini, Cinzia Signorini, Alessandra Pecorelli, Barbara Montomoli, Stefano Lunghetti, Lucia Ciccoli, Thierry Durand, Roberto Favilli, and Joussef Hayek.“Effects of ω-3 PUFAs Supplementation on Myocardial Function and Oxidative Stress Markers in Typical Rett Syndrome”Mediators of Inflammation Volume 2014 (2014), Article ID 983178, 8 pages



