Das Darmkrebsrisiko hängt von der Wechselwirkung zwischen Omega-3 und Entzündungsgenen ab
Darmkrebsrisiko? Durch die Wechselwirkung von Omega-3 mit Entzündungsgenen
Die Omega-3-Fettsäuren senken das Darmkrebsrisiko, indem sie mit den Genen interagieren, die Entzündungsprozesse steuern. Eine Forschergruppe unter der Leitung von Nina Habermann vom National Center for Tumor Diseases in Heidelberg (Deutschland) hat die Existenz dieser Wechselwirkung nachgewiesen. Die Studie wurde in der Zeitschrift Genes and Nutrition1 veröffentlicht. Die Autoren der Forschungsarbeit haben bei Personen, die wenig Omega-3-reiche Lebensmittel zu sich nehmen, eine höhere Wahrscheinlichkeit festgestellt, diesen Tumor zu entwickeln, wenn Gene vorhanden sind, die die Spiegel proinflammatorischer Moleküle erhöhen.
Die Rolle der Omega-3-Fettsäuren bei Entzündungen
Die mehrfach ungesättigten Fettsäuren sind eine Gruppe von Nährstoffen, zu der sowohl Omega-3 als auch Omega-6 gehören. Sie werden vom Organismus in Prostaglandine und Leukotriene umgewandelt, Moleküle, die Entzündungsprozesse steuern. Im Allgemeinen ist der Effekt der aus Omega-6 produzierten Substanzen dem der aus Omega-3 gewonnenen Moleküle genau entgegengesetzt: Während erstere die Entzündung fördern, reduzieren letztere deren Intensität. Mehrere Studien haben gezeigt, dass die Einnahme von Omega-3 Entzündungen reduziert und damit dazu beiträgt, verschiedene entzündungsbedingte Erkrankungen zu bekämpfen. Zu diesen gehört auch der Darmkrebs, eine Krebsform, die auch mit entzündlichen Darmerkrankungen wie der Colitis ulcerosa und dem Morbus Crohn in Verbindung steht. Die Inzidenz dieser Krebsart ist in Bevölkerungsgruppen, die große Mengen an Omega-3-reichem Fisch2 essen, deutlich geringer. Darüber hinaus vermindert die Einnahme von EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure), den 2 wichtigsten Omega-3-Fettsäuren in Fischöl, die Bildung und Vermehrung präkanzeröser Polypen3,4. Angesichts dieser Zusammenhänge zwischen Omega-3, Entzündung und Darmkrebs stellten Habermann und Kollegen die Hypothese auf, dass ein hoher Konsum von Omega-3-reichem Fisch das Darmkrebsrisiko bei Personen senken könnte, die Gene besitzen, deren Aktivität die Spiegel proentzündlicher Moleküle erhöht.
Entzündungsfördernde Gene
Die Forscher verglichen die Gene bei 1.574 Personen mit Dickdarmkrebs und 791 Patienten mit Enddarmkrebs mit denen gesunder Probanden. Dabei wurde festgestellt, dass niedrige Omega-3-Spiegel das Krebsrisiko erhöhen, wenn die Varianten der Gene PTGS1, PTGS2 und ALOX15 vorliegen, die zur Produktion höherer Mengen an Prostaglandinen und Leukotrienen führen. Insbesondere ist das Krebsrisiko bei Trägern dieser PTGS1-Variante, die geringe DHA-Mengen zu sich nehmen, erhöht. Ähnlich tritt der Tumor häufiger auf, wenn die ALOX15-Variante, die Entzündungen verstärkt, bei niedrigen EPA-Spiegeln vorhanden ist. Auf Grundlage dieser Ergebnisse kamen die Forscher zu dem Schluss, dass die Kombination aus Omega-3-Spiegeln und den im Organismus vorhandenen Genvarianten das Risiko bestimmen kann, an Darmkrebs zu erkranken.
Quellen 1. Habermann N, Ulrich CM, Lundgreen A, Makar KW, Poole EM, Caan B, Kulmacz R, Whitton J, Galbraith R, Potter JD, Slattery ML, “PTGS1, PTGS2, ALOX5, ALOX12, ALOX15, and FLAP SNPs: interaction with fatty acids in colon cancer and rectal cancer”, Genes Nutr. 2012 Jun 8. [Epub ahead of print] 2. Schloss I, Kidd MS, Tichelaar HY, Young GO, O'Keefe SJ, “Dietary factors associated with a low risk of colon cancer in coloured west coast fishermen”, S Afr Med J. 1997 Feb;87(2):152-8 3. Anti M, Marra G, Armelao F, Bartoli GM, Ficarelli R, Percesepe A, De Vitis I, Maria G, Sofo L, Rapaccini GL, et al, “Effect of omega-3 fatty acids on rectal mucosal cell proliferation in subjects at risk for colon cancer”, Gastroenterology. 1992 Sep;103(3):883-91. 4. Huang YC, Jessup JM, Forse RA, Flickner S, Pleskow D, Anastopoulos HT, Ritter V, Blackburn GL, “n-3 fatty acids decrease colonic epithelial cell proliferation in high-risk bowel mucosa”, Lipids. 1996 Mar;31 Suppl:S313-7



