Immunsystem

Multiple Sklerose: Vitamin-D-Supplementierung kann die Aktivität von Autoimmun-Lymphozyten blockieren

Multiple Sklerose: Autoimmun-Lymphozyten dank Vitamin-D-Supplementierung blockiert. So funktioniert es

Vitamin D ist in der Lage, die für die Multiple Sklerose typische zerebrale Entzündung zu blockieren, die durch die Wirkung der T-Lymphozyten auf die Neuronen entsteht. Es scheint nämlich bei Labormäusen die Migration der Immunzellen von den Lymphknoten zum Zentralnervensystem zu stören. 


Neue Studien können daher die Rolle der Vitamin-D-Supplementierung bei der Prävention und Behandlung der Krankheit beleuchten. Dies geht aus einer Studie hervor, die von Forschern der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore (USA) durchgeführt und in der Zeitschrift PNAS veröffentlicht wurde.

 


Vitamin D: ein wichtiger Regulator des Immunsystems

Die positiven Auswirkungen von Vitamin D auf die Krankheitssymptome wurden in den vergangenen Jahren deutlich, als beobachtet wurde, dass die Multiple Sklerose eine starke Prävalenz in Ländern weit vom Äquator und damit von der Sonne aufweist. 


Vitamin D kann nämlich neben dem Vorkommen in Lebensmitteln im menschlichen Körper aus einem in der Haut vorhandenen Vorläufer, dem 7-Dehydrocholesterol, durch Sonnenlicht synthetisiert werden.  Das Vitamin kommt in mehreren Formen vor; die häufigsten sind D2 pflanzlichen Ursprungs und D3 tierischen Ursprungs. Beide spielen eine grundlegende Rolle bei der intestinalen Kalzium- und Phosphoraufnahme, regulieren Wachstum, Entwicklung und Mineralisierung der Knochen und modulieren die Funktion des Immunsystems. 


Gerade wegen dieser letzten Eigenschaft bietet das Vitamin zahlreiche Vorteile bei verschiedenen Erkrankungen, darunter die Multiple Sklerose. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, die die Myelinscheide betrifft, also die lamelläre Schicht, die die Axone der Neuronen umgibt und aus Membranen spezialisierter Zellen, den Schwann-Zellen, besteht. Die Aufgabe des Myelins besteht darin, die Nerven zu isolieren und vor allem die Übertragung des Nervenimpulses zu beschleunigen, der für Bewegung, Sprache und viele andere Funktionen notwendig ist. 


Mit dem Ausbruch der Erkrankung zerstören T-Helferlymphozyten das Myelin und verursachen die typischen Symptome der Sklerose, wie verschwommenes Sehen, Schwäche und motorische Schwierigkeiten.



Die Supplementierung blockiert die Wanderung der Lymphozyten zum Nervensystem

Während der Studie verabreichten die Forscher unter der Leitung von Anne Groke den Labormäusen die murine Form der Krankheit sowie hohe Dosen von Vitamin D als bioaktiver Metabolit 25(OH)D (25-Hydroxycholecalciferol) und beobachteten, dass die Tiere jedoch keine Symptome der Erkrankung zeigten. Bei der Analyse der T-Helferlymphozyten zeigte sich, dass diese aktiviert waren und in hohen Konzentrationen im Blutkreislauf vorlagen, aber weit vom Rückenmark und Gehirn entfernt blieben. 


Die Forscher haben daher die Hypothese aufgestellt, dass Vitamin D nicht direkt in die zerebrale Entzündung eingreift, sondern die Wanderung der Autoimmunzellen zum Nervensystem blockiert und sie von den Zielorten des Schadens fernhält.



Eine schnelle und reversible Wirkung

Die Forscher behaupten außerdem, dass der immunsuppressive Effekt der Vitamin-D-Supplementierung sehr schnell eintritt und ebenso rasch wieder verschwindet. Falls ein Patient von einer Infektion befallen wird, kann das Absetzen der Vitamin-D-Supplementierung schnell dazu führen, dass das Immunsystem wieder aktiviert wird, was zur Bekämpfung der laufenden Infektion notwendig ist. Die Bedeutung dieses Aspekts ist leicht verständlich, wenn man bedenkt, dass die derzeit zur Behandlung der Krankheit eingesetzten immunsuppressiven Medikamente mindestens 6-12 Wochen benötigen, um vollständig aus dem Organismus eliminiert zu werden. 


Es muss nun durch weitere Studien geklärt werden, ob der bei Labortieren beschriebene Effekt und die beschriebenen Mechanismen beim Menschen dieselben sind. Um immer über die neuesten Nachrichten aus der wissenschaftlichen Forschung zu Omega-3 informiert zu bleiben, abonniere unseren Newsletter.


Quelle: Grishkan IV, Fairchild AN, Calabresi PA, Gocke AR. “1,25-Dihydroxyvitamin D3 selectively and reversibly impairs T helper-cell CNS localization”. Proc Natl Acad Sci U S A. 2013 Dec 24;110(52):21101-6